Projekt SCHAUBILD

„Das Pferd ist mein Freund. Wenn ich auf ihm sitze, fühle ich mich leicht.“ (Nico Töpfer)

 

Nico Töpfer gehört zu den Schülern der Robinsonschule, die sich mit dem Reiten und Voltigieren in besonderer Weise beschäftigen. Die Kinder üben nicht nur mit großer Begeisterung den Pferdesport aus, sondern sie dokumentieren auch unter Anleitung der Künstlerin Andrea Wilks ihre individuelle Sichtweise auf das Leben der Tiere eines Reiterhofes. Die Werke werden im Rahmen des Projektes SCHAUBILD präsentiert, welches der Reitverein Integration im Bündnis mit der Robinsonschule und deren Förderverein in Bernau durchführt.

 

SCHAUBILD richtet sich mit Kursen für das Reiten und Voltigieren an Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren, insbesondere an Kinder mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen. Zur Verbesserung der Koordination, Konzentration und zur Schulung des Gleichgewichts lernen die Kinder unter Anleitung der Hippotherapeutin Andrea Harwardt spielerisch, sich auf einem bewegten Untergrund zu orientieren und zu agieren. Der Kontakt zum Pferd, es streicheln und pflegen, steht neben der sportlichen Betätigung im Vordergrund.

 

Parallel dazu wurde den Kindern im letzten Jahr von der Künstlerin Andrea Wilks der Umgang mit einer einfachen Fotokamera vermittelt. Die Kinder befassten sich mit der Symbolik des Pferdes in der Kunst. Sie sprachen über Bildkompositionen und übten den Wechsel von Perspektiven. Auf dem Reiterhof suchten sie ihre Bildmotive selbst und fotografierten mit großem Spaß die Pferde und ihre Umgebung.

 

Die schönsten Bilder haben die Kinder selbst für die dauerhafte Ausstellung in ihrer Schule und für den Druck eines Wandkalenders ausgesucht, der in den Familien viel Anklang fand. In der Zwischenzeit entstanden zudem Zeichnungen und Skulpturen. Sie werden zusammen mit den Fotografien im Atelier der Galerie Bernau gezeigt. Die sieben „ARTISTS“ - portraitiert von Andrea Wilks, komplettieren die Exposition.

 

SCHAUBILD wird schon zum zweiten Mal von der Deutschen Sportjugend im DOSB gefördert und ist Teil von „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“. Mit diesem Programm finanziert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis 2017 außerschulische Angebote der kulturellen Bildung. In lokalen Bündnissen für Bildung realisieren ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger bundesweit Projekte für Kinder und Jugendliche.

 

 

Mit dem Programm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ finanziert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis 2017 außerschulische Angebote der kulturellen Bildung. In lokalen Bündnissen für Bildung realisieren ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger bundesweit Projekte für Kinder und Jugendliche.

Paten- und Mentorenprogramme, Leseförderungen, Ferienfreizeiten, Musik-, Tanz-, Theater- oder Zirkusaktionen. Durch die aktive Beschäftigung mit Kunst und Kultur erleben die Kinder und Jugendlichen persönliche Wertschätzung, sie entwickeln neue Perspektiven und erlernen wichtige Fähigkeiten für ein erfolgreiches und selbstbestimmtes Leben. Das Programm ist in allen Bundesländern präsent: Aktuell setzen es 32 Verbände und Initiativen als Partner um und fördern die Bündnisse vor Ort. Es gibt schon über 11.500 Angebote – und es werden immer mehr.

 

 

 

„Wenn es uns gelingt, möglichst vielen Kindern und Jugendlichen, die es nicht leicht haben in ihrem Leben, durch die Angebote kultureller Bildung etwas mehr Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten und Talente sowie Freude am gemeinsam Erlernten zu vermitteln, haben wir etwas sehr Gutes und Bleibendes auf den Weg gebracht.“ Überzeugt spricht Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, über das Programm und hat bereits die Fortsetzung des Programms öffentlich in Berlin verkündet.

 



Sachbericht

 

Im Rahmen des Projektes SCHAUBILD wurden regelmäßig mittwochs auf dem Gelände des Reitvereins Integration in Bernau Kurse für Reiten und Voltigieren durchgeführt. Auch die Theorie kam nicht zu kurz. Folgende Aktivitäten wurden durchgeführt und folgende Fragen behandelt:

 

Sicherheitsbestimmungen: Wie verhält man sich in einer Reithalle, Sicherheitsregeln am Pferd? 

Kindgerechte Theorie am Pferd (Farbe, Rasse, Körperteile, was frisst ein Pferd, Fluchtverhalten)
und am Holzpferd (Voltigier-Übungen wie Mühle, Fahne, Bank)

Voltigier-Übungen am Pferd: 

  • Mitlaufen am Pferd im Schritt und Trab
  • Aufgang mit Hilfestellung
  • Übungen im Schritt (Armkreisen, Hinlegen, Pferd loben...) 
  • dann Steigerungen wie Umdrehen in den Rückwärtssitz, Aufknien...
  • Sitzen im Trab und oder Galopp
  • sicheres Abgehen vom Pferd

In jeder Stundeneinheit wurde das Übungsprogramm im Schritt auf dem Pferd immer weiter perfektioniert. Die bereits erworbene Körperspannung und die erlernte Bewegungserfahrung dienten jetzt als Grundlage. Einzelübungen wie der "freie Grundsitz" oder der "Innensitz" erhielten eine immer bessere Qualität. Weiterhin gab es jedes Mal einen kleinen Theorieblock. Die Kinder kannten sich bald gut aus und konnten beim Putzen, Führen und Aufsatteln des Pferdes immer mehr mithelfen. Auch Krankheiten, Sicherheitshinweise und das Tierschutzgesetz wurde kindgerecht vermittelt.

 

Parallel dazu fand ein Kunstworkshop für die Teilnehmer/-innen statt, geleitet von Andrea Wilks, einer freischaffenden Künstlerin aus Berlin.

 

Der Workshop begann mit einem intensiven Erfahrungsaustausch über Pferde. Danach beschäftigte sich die Gruppe mit klassischen und zeitgenössischen künstlerischen Positionen  zum Pferd und deren Symbolik. Vom Herrscherbild  zu Pippi Langstrumpf, von Pegasus, dem Trojanischen Pferd über Stubbs  auf unseren Reiterhof, einen Ort an dem sich die Kinder wohl und daheim als auch herausgefordert fühlen. Auf kindgerecht und spielerische Weise, mit vielen kleinen Geschichten eingebunden, wendete man sich dann der technischen Seite zu. Die Kinder entdeckten für sich die einfache Handhabung der  zur Verfügung stehenden Einmalkameras und nach einer kurzen spielerischen Auseinandersetzung mit Komposition und der Idee des Perspektivwechsels, ging es dann ans Werk.

 

An zwei aufeinanderfolgenden Terminen trafen sich Kinder und Künstlerin auf dem Reiterhof.  Mit großem Eifer fotografierten  die Kinder alles was ihnen vertraut und gut bekannt war bis hin zum experimentellen Freestyle – Shooting. Mit Hilfe von immer wiederkehrend eingebauten Geschichten gelang es der Kursleiterin den Kindern eine Art Phantasiewelt zu eröffnen um anhand der Motive Geschichten zu erzählen. Diese zwei Tage bereiteten allen Beteiligten viel Freude. 

 

Nach Entwicklung der Filme haben die Kinder gelernt, die Auswahl ihrer eigenen Arbeiten zu treffen. Dies ist einer der schwierigsten künstlerischen Prozesse, den die Kinder mit der ihnen noch sehr nahen Intuition bestens gelöst haben. Die besten Arbeiten wurden digitalisiert und in Form eines Kalenders in Druckauftrag gegeben, welcher zum späteren Zeitpunkt allen Beteiligten der Robinsonschule  überlassen wurde. Weitere Arbeiten wurden im Format 40 x 50 cm  vergrößert  und gerahmt. Bildbesprechungen fanden statt, die Kinder gaben sich Feedbacks, staunten und waren stolz auf die von ihnen geleistete Arbeit. Beim gemeinsamen Betiteln der entstandenen Werke unterstützten sich die Kinder untereinander und übernahmen Verantwortung füreinander. Echtes Teamwork eben!

 

Am 17. November 2015 fand im Rahmen des 25. Schuljubiläums der Robinsonschule eine erste offizielle Projektpräsentation der entstandenen Werke statt. Die Kinder waren sehr aufgeregt und stolz. Es sei anzumerken, dass eine erneute Präsentation der entstandenen fotografischen Arbeiten im Juni 2016 in der Galerie Bernau bestätigt wurde und somit auch weiteren Familien und der lokalen Öffentlichkeit die Möglichkeit gegeben wird, die Werke betrachten zu können und die Kinder sich nochmals in der Rolle des kreativen Schöpfers wiederfinden  werden. Als Besonderheit anzumerken sei,  dass sich während des Workshops die besondere künstlerische Begabung eines der teilnehmenden Kinder heraus gestellt hat.  Nach intensiven Gesprächen der Kursleiterin mit dem Kunstlehrer der Schule Herrn Michal Ignatovicz, der Direktorin Frau Eisenmann und der verantwortlichen Betreuungsperson wird das Kind fortan eine besondere künstlerische Förderung erhalten.

 

 

Auf dem Schulfest zeigten die Kinder auch, was sie in den Reit- und Voltigierkursen gelernt haben. Sie wählten ein Schaubild zum Thema Farbkreis und kostümierten sich phantasievoll. Sie halfen sich gegenseitig auf das Pferd und vollbrachten wahre Kunststücke im Schritt und Trab des Pferdes. Auch die Kinder mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen hatten Grund, stolz zu sein. Denn auch sie zeigten, dass sie schon viel Erfahrung im Sattel sammeln konnten, ihr Pferd gut kennen und es gern haben. Sie winkten dem Publikum mit einem strahlenden Lächeln zu. Pferde stärken Kinder!


Förderer: